Der Lebensunternehmer - oder ist ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis out?
Selbstbestimmung ist die oberste Devise im Business der Zukunft. Nach einer Studie des Zukunftsinstitut Kelkheim werden Werte wie Selbstverantwortung, Wandel und Kreativität die Arbeitskultur zukünftig in hohem Maß beeinflussen. Die früher übliche Festanstellung inklusive sozialer Absicherung scheint mehr und mehr von neuen Beschäftigungsformen verdrängt zu werden.
Nach einer Umfrage unter 20.700 Teilnehmern (Quelle: Stepstone) wollen 42 Prozent der deutschen Fach- und Führungskräfte noch in diesem Jahr ihren Job kündigen, um sich beruflich zu verbessern; weitere 40 Prozent der Befragten ziehen dies zumindest in Betracht. Was sich liest, als wären diese Arbeitnehmer mit ihrem beruflichen Werdegang unzufrieden, lässt aber bei näherer Betrachtung den Schluss zu, dass viele dieser abhängig Beschäftigten vielmehr selbstbestimmt tätig werden wollen.
Denn Langeweile macht krank: Etwa 20 Prozent der Angestellten, so vermutet man, leidet an dem sogenannten Bore-out-Syndrom. Was sich zeitgemäß schick anhört, bezeichnet nichts anderes als krankmachende Unterforderung im Job. Besonders anfällig hierfür sind Menschen mit Schreibtischjobs - denn deren Arbeitsrahmen ist in der Regel nicht genau abgesteckt und lässt somit freien Gestaltungsraum zu. Ist der Vorgesetzte nicht bereit, einen Teil der Verantwortung abzugeben und hierdurch das Selbstwertgefühl und somit auch die Motivation seiner Mitarbeiter zu steigern, schlägt sich dies in Arbeitsflucht nieder. Der Mitarbeiter dankt es mit Dienst nach Vorschrift und mangelnder Leistungsbereitschaft.
Das lässt viele Arbeitnehmer darüber nachdenken, welche Alternativen es zur abhängigen Beschäftigung gibt. Abwechslung verspricht eine Tätigkeit als Consultant. Eigenverantwortliche Mitarbeit an Projekten, wechselnde Einsatzorte und flexible Arbeitszeiten - all das ist für viele ein Anreiz, dem teils drögen Alltag eines Angestellten zu entfliehen und freier in der Entfaltung seiner Persönlichkeit zu sein.
Im vergangenen Jahr arbeiteten in Deutschland rund 73.000 Unternehmensberater in ca. 14.250 Beratungsfirmen. Dies bedeutet eine Steigerung von knapp sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr. Vor allem die großen Player im Beratungsgeschäft wollen auch in diesem Jahr zusätzliche Berater einstellen. McKinsey beabsichtigt, 250 junge Berater einzustellen. BCG plant 210 Neueinstellungen und Roland Berger sucht 150 Leute. Denn besonders bei den Young Professionals wird heftig um deren Gunst gebuhlt. Hier heißt die Devise: Prozesse bei den Kunden mitgestalten.
Wer keinen betriebswirtschaftlichen Hintergrund mitbringt, wird hier nachträglich fit gemacht. Allerdings wirft dies die berechtigte Frage nach der Qualität auf. Ein Learning on the Job mag zwar einige Defizite ausgleichen, eine fundierte Ausbildung kann hierdurch jedoch nicht ersetzt werden.


