Es zählt was bleibt: Repräsentation und Ausstrahlung
02.06.2008
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Ein Beispiel aus der Stil-Beratung
Die Wahl fällt auf Hannes Jensen. Für die Top-Position waren zuletzt zwei Kandidaten im Rennen gewesen, zwei HIGH POTENTIALS der Wirtschaft, beide mit hervorragenden Abschlüssen, vergleichbarer Berufs- und Führungserfahrung, gutem Netzwerk. Beide Kandidaten waren jung, ehrgeizig, extrovertiert und sprachen mehrere Sprachen.
Was war entscheidend?
Der „Gewinner“ – nennen wir ihn Hannes – ist schließlich auch als Persönlichkeit überzeugender. In Gesprächen und Verhandlungen wirkt er authentischer und themenbezogener. Anstatt sich selber zu verkaufen, führt er Gespräche auf Augenhöhe, die inhaltlich überzeugen. Hannes hat die Souveränität eines Menschen, der sich um sein Auftreten und Aussehen keine Gedanken mehr machen muss, weil er sich selber und sein Image kennt, darstellt und lebt. Diese Sicherheit ist kein Privileg selbstbewusster Jungmanager – sie ist erlernbar
für jeden, in jedem Beruf.
Image-Beratung berücksichtigt Persönlichkeit, Statur und Aussehen einer Person genauso wie die Etikette und die praktischen Anforderungen, die ein Berufsleben an den Menschen und seine Kleidung stellt. Mitarbeiter und Unternehmensvertreter sind in erster Linie auch als Persönlichkeiten gefragt –
unabhängig von Dresscodes oder „Uniformen“ – und als solche hinterlassen sie bleibende Eindrücke. Die zielführende Imageberatung befasst sich daher mit dem Individuum genauso wie mit den Erwartungen der Umwelt.
Ein Fahrplan für ein 1-Tages-Seminar unter vier Augen kann je nach Briefi ng oder Vorgespräch mit der Klientin oder dem Klienten zusammengestellt werden. Im Beispiel von Hannes sah das Briefi ng so aus: Um die vorgesehenen repräsentativen Aufgaben besser erfüllen zu können, sollte er für die Wahrnehmung und Befi ndlichkeit von Gesprächspartnern sensibilisiert werden, sein natürliches Selbstbewusstsein etwas feinsinniger vermitteln, seine Kleidung eleganter, der Position angemessen auswählen und lernen, Statussymbole einzusetzen, die in seiner Position verlangt sind. Kurz: Sein Auftreten sollte seine Qualifikation spiegeln und Kompetenz sichtbar
machen.
Es ist klar, dass ein einziger Beratungstag nur Anstoß für eine Veränderung sein kann, die mehrere Monate in Anspruch nimmt. In der ersten Übung setzt sich Hannes Jensen mit seiner Ausstrahlung und der eigenen Selbsteinschätzung auseinander. Das so gezeichnete Selbstbild wird mit dem eigenen Wunschbild und mit dem Profil der Aufgabe verglichen. Welche Botschaft soll beim Betrachter ankommen? Ein Ziel des Trainings ist es, ein Gefühl für Formen und Linien zu geben, die charakteristische physische Merkmale beschreiben. Der harmonische Ausgleich von Proportionen beispielsweise kann sich so darstellen
In den ersten Stunden des Trainings lernt Hannes die theoretischen Grundlagen von Linie und Ästhetik kennen. (Außer auf Kleidung kann er diese übrigens auch auf Inneneinrichtungen und gestaltende Arbeiten anwenden.) In einem Stil-Check kann er seine persönlichen Stil-Merkmale noch einmal zusammenfassen. Diese Angaben dienen ihm wie eine persönliche Route-Map durch den Dschungel der Mode.
Um das richtige Maß im Umgang mit Accessoires und Schmuck zu finden, wird Hannes mit einem Punktesystem Dezenz in der Kleidung vertraut gemacht, das ihm Sicherheit für Auftritte im Geschäftsleben und auf Veranstaltungen gibt. Dabei wird jedem sichtbaren Merkmal an der Erscheinung – vom Muster bis zum Schmuckstück – ein Punkt gegeben: Acht bis neun sind im Business erlaubt. Ein weiteres Ziel der Beratung ist es, den Umgang mit gesellschaftlichen Spielregeln zu vereinfachen.
Die nächste knappe Stunde verbringen wir mit allgemeinen Kniggefragen rund um Begrüssung und Small talk. Der gelingt besser, wenn man sich ein eigenes Repertoire an Themen zurechtlegt, die einen persönlich interessieren, über die man gerne spricht und sich auf einem aktuellen Stand hält. Wir machen ein Brainstorming am Flipchart.
Hannes Jensen interessiert sich für Segelfliegen und urbane Architektur. Das erste ist ungeeignet, weil es zu stark an Fachwissen gebunden ist, Städte und Architektur erlauben ihm aber, von der Fassadengestaltung bis zu öffentlichen Verkehrsmitteln und Tempolimits in Wohngebieten verschiedene Themen ins Gespräch einzubringen, die von allgemeinem Interesse sind.
Wer sich in Gesellschaft und Etikette bewegt, sollte die Dresscodes kennen. Nichts ist unangenehmer als bei einem Anlass hoffnungslos overdressed oder underdressed zu sein. Mit der Liste der Dresscodes gebe ich Hannes den Rat, auch als Gastgeber immer eine Kleidungsempfehlung (im französischen Sprachgebrauch Tenue genannt) auszusprechen – als Wertschätzung der Gäste und eingeladenen Freunde.
In der Wahl der Farben ist für Hannes das Wissen um die Farbsignale interessant, das er je nach Gelegenheit für sich nutzen kann. Flächig eingesetzt haben die Farbgruppen, zum Beispiel Rot- oder Blautöne, eine eigene Ausstrahlung, die man sich zunutze machen kann. So eignet sich beispielsweise Schwarz kaum dazu, Wärme und Vertrauen im 4-Augen-Gespräch herzustellen.
Das Bild wird langsam rund. Hannes Jensen hat gesehen, worauf es ankommt: Seine Vorzüge zu kennen und entsprechend darzustellen, dabei die Etikette zu berücksichtigen und durch gepflegtes Aussehen und Verhalten auszudrücken, dass er seine Umwelt wertschätzt. In den nächsten Monaten wird er noch einige vertiefende Beratungsstunden in Anspruch nehmen. Wer sich mit seinem Selbstbild und Lebensstil einmal gründlich auseinandersetzt, führt entspanntere Gespräche, weil er sich dann um seine authentische Wirkung keine Gedanken mehr machen muss.
Ein Auftritt, eine Bewerbung und was davon haften bleibt, wird unter vielen Gesichtspunkten der verbalen und nonverbalen Kommunikation bewertet. Aktives Zuhören, Augenkontakt, Gespür für Nähe und Distanz und angenehme Umgangsformen spielen dabei eine genauso große Rolle wie angemessene und gepflegte Kleidung.
Was macht einen Menschen glaubwürdig? Worauf achtet ein Interviewer? Welche scheinbar nebensächlichen Kriterien entscheiden eine Karriere? Zum Abschluss des Tages erhält Hannes Jensen eine Checkliste, die er in Eigenregie immer wieder neu ausfüllen kann, um an sich selber zu arbeiten. Schließlich sind Spaß an der Entwicklung und Eigenverantwortung das beste Vehikel, um voranzukommen.
Erwähnte und vertiefende Unterlagen finden sie unter:
www.stilclub.de


