Flexible Arbeitskräfte
Liegt in der Liberalisierung des Arbeitsmarktes wirklich der Schlüssel zu mehr Wachstum und Beschäftigung in Deutschland? Diese Diskussion ist hierzulande nicht neu und wurde mit dem Start der großen Koalition wieder entfacht. Eine Darstellung der verschiedenen Positionen soll hier nicht erfolgen und könnte ohne weiteres gar nicht geleistet werden. Dennoch beobachten wir als Inte-rimsmanagement-Dienstleister diese Diskussion und möchten an dieser Stelle auf verschiedene uns wichtig erscheinende Aspekte aufmerksam machen.
Wir können in allen OECD-Staaten eine demografische Veränderungen beobachten, die von zwei Seiten die nationalen Volkswirtschaften unter Druck setzt: Zum einen führt die Anhebung des Alter-durchschnitts der nationalen Bevölkerung zu den bekannten Auswirkungen auf die Alterspyramide und somit zu einer Erhöhung des Drucks auf die Sozialsysteme. Denn, und hier kommt die zweite Komponente ins Spiel: Die Gefahr der quantitativen Verminderung der Bevölkerung im erwerbsfähi-gen Alter. Diese Effekte sind kurz- und mittelfristig auf nationaler Ebene nicht ohne Zuwanderung zu lösen.
Ferner registrieren wir nicht erst seit dem letzten Jahr eine exorbitante Zunahme der Dynamik in manchen asiatischen Volkswirtschaften. Die Effekte lassen sich nicht verleugnen: Zur Zeit lernen mehr Chinesen Englisch oder es studieren mehr Inder als Großbritannien Einwohner hat. Wir kön-nen also erwarten, dass der steigende Bedarf nach gut ausgebildeten Fach- und Führungskräften in den OECD-Staaten durch die schrumpfenden Bevölkerungszahlen wie auch in den wachsenden asiatischen Volkswirtschaften zu einem verschärften Wettbewerb auf dem internationalen Markt für junge Talente führen wird. Trotz des qualitativ und quantitativ guten Nachwuchsangebotes wird es gerade für den Westen eine verstärkte Konkurrenzsituation geben. Dies kann dazu führen, dass erheblicher, auch materieller Aufwand nötig sein wird, um Vakanzen hierzulande adäquat besetzen zu können.
Vor diesem Hintergrund wird auch klar, welche unglückliche Rolle die Europäische Union hier spielt. Zwar sind Maßnahmen zur Liberalisierung, wie die Umsetzung der Arbeitnehmerfreizügigkeit Schrit-te in die richtige Richtung, jedoch zeigen die disparaten nationalen Arbeitsmarktregelungen wie weit man innerhalb der Union von gemeinsamen Standards entfernt ist. Beispielweise demonstriert die überholte intensive Finanzausstattung der Gemeinsamen Agrarpolitik, dass hier geeignete Maß-nahmen nicht rechtzeitig getroffen worden sind. Obwohl die Zahl der Beschäftigten im Primärsektor stark rückläufig ist, wird hier dennoch eine überproportionale Subventionierung betrieben. Im Sinne einer nachhaltigen staatlichen Förderung sollte die Ausrichtung dieses Politikfelds dringend neu überdacht werden. Die unterschiedlichen nationalen Regelungen sind als Reaktion auf das Fehlen eines gemeinsamen Nenners auf Unionsebene zurückzuführen. Dass Deregulierung einen unter-stützenden Effekt bei der Senkung der Arbeitslosigkeit hat, ist unter Politikern und Wissenschaftlern kaum noch umstritten. Auf dem Weg dorthin sind allerdings Widerstände zu überwinden, die oft, wie auch in Deutschland, die Liberalisierung nahezu verhindern.
Dennoch bietet ein flexibler Arbeitsmarkt die Chance, auf die oben beschriebenen externen wie internen Rahmenbedingungen angemessen zu reagieren, indem er Unternehmer wie Beschäftigten erlaubt, zeitnah und effektiv Angebot und Nachfrage zu verbinden. Großbritannien hat es vorge-macht: Nach der Öffnung des Arbeitsmarktes für befristete Arbeitsverhältnisse hat sich die öffentliche Hand selbst als Vorreiter zum weltweit zweitgrößten Arbeitgeber für befristete Arbeitsverhältnisse entwickelt, nach Marktdurchdringung gerechnet sogar zum weltweit größten. Dieser Effekt gilt nicht nur für den Niedriglohnbereich, sondern proportional zur Liberalisierung auch für das Fach- und Führungskräfte-Recruitment am Gesamtrecruitment der befristeten Arbeitsverhältnisse.
Wichtig dabei ist weniger, dass dadurch die Akzeptanz und Verbreitung von Interimsmanagement steigt, sondern vielmehr sorgt diese Entwicklung für eine Verringerung von Arbeitslosigkeit generell und für eine Zunahme des Bruttosozialprodukts. Das hat die Öffnung des Arbeitsmarktes in Groß-britannien bewiesen. Von einer solchen Dynamik könnte also die gesamte deutsche Volkswirtschaft profitieren.
Natürlich sind die Management Angels als Interimsmanagementprovider in dieser Argumentation nicht nur objektiv. Mithin ist es aber in unser aller Interesse für eine Konjunkturbelebung und damit mittelbar für eine Verringerung der Arbeitslosenzahlen zu sorgen. Es gilt, die erfolgreichen Beispiele in Europa nicht zu ignorieren, sondern bewusst den Zusammenhang zwischen Liberalisierung des Arbeitsmarktes und Verringerung der Arbeitslosigkeit wie auch dem gesunden Wachsen der Wirtschaftskraft zu untersuchen. Wenn der kausale Zusammenhang erwiesen ist, haben wir keine Zeit mehr zu verlieren!


