Gelten die klassischen Karrierekiller auch für Interimsmanager?
Der Bund Deutscher Unternehmensberater (BDU) befragte über 500 führenden Personal und Outplacementberater, welches die zehn größten Karrierekiller sein. Wir haben uns gefragt, ob diese auch für Interimsmanager gelten. Was denken Sie?
Sicherlich spielen alle zehn „Fettnäpfchen“ auch eine wesentliche Rolle in fast jedem Interimseinsatz. Man könnte sich streiten welcher Punkt mehr und welcher weniger zählt. Wie wir alle wissen, sind Interimsprojekte so unterschiedlich und facettenreich, dass es keinen Sinn machen würde sie zu kategorisieren, um sie anschließend zu bewerten. Nichtsdestotrotz kann man sagen, dass einige dieser „Karrierekiller“ unabhängig von der Qualifikation des Interimsmanager auch in unserer Branche eine Gefahr darstellen und zu einem Misserfolg, vorzeitigen Ende eines Mandates oder sogar zur Auftragslosigkeit führen können.
Der „Entwicklungsstillstand“ ist da vielleicht am offensichtlichsten. Was für einen festangestellten Manager gilt, gilt auch für Interimsmanager. Wissen sollte ständig aktualisiert werden. Natürlich können Spezialisierungen aus Marktnischen zu einer vorübergehenden erhöhten Auftragslage kommen, aber jede Nische birgt auch die Gefahr, dass sie morgen vielleicht keine mehr ist oder nicht mehr gebraucht wird. Ein Interimsmanager sollte möglichst versuchen, immer gut und aktuell informiert am Markt zu agieren und kontinuierlich in seine Fortbildung zu investieren. Nicht alle Dinge erlernt man rein durchs „im Projekt sein“.
Hingegen ist die Nr. 1, „Selbstüberschätzung und mangelnde Kritikfähigkeit“ sicherlich ein Punkt, der in dieser Formulierung auch einem Interimsmanager nichts Gutes bringt. Jedoch ist die Linie zwischen Selbstüberschätzung und Selbstbewusstsein sowie mangelnder Kritikfähigkeit und besserem Weitblick oft sehr dünn und damit sehr abhängig vom Auge des Betrachters. Gerade in der Rolle einer vorübergehenden Führungsperson ist es wichtig, Entschlossenheit und Selbstbewusstsein vom ersten Tag an zu zeigen, um Vertrauen zu stärken und zu motivieren. Kritik ist in jeder Phase der Veränderung vorhanden und die Vergangenheit hat uns gezeigt, dass viele Dinge die Anfangs kritisiert wurden, sich am Ende oftmals als große Hilfen und Entwicklungen herausgestellt haben.
Ein neuer festangestellter Manager, der sich der Kritik nicht stellt oder durch seine Taten sichtbar überzeugt, wird sowohl von seinen Vorgesetzten als auch anderen Kollegen schnell verurteilt und landet auf dem Abstellgleis. Bei einem Interimsmanager gehört Kritik oft zum täglichen Brot, daher erleben wir als Provider oft, wie wichtig es ist, seine Strategien und Handlungen zumindest gegenüber Auftraggebern und strategischen Entscheidern nachvollziehbar darzustellen, um Missinterpretationen vorzubeugen und die Handlungen abzusichern. Die weitläufige Meinung sollte einem Interimsmanager dabei im Gegensatz zum Festangestellten nicht tangieren, da es in erster Linie um den Erfolg des Projektes geht und nicht um seinen persönlichen Stand in der Firma während seines Einsatzes.


