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Interview mit Nils Köster, Interims-Manager

29.08.2007

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Kategorie: W&W - Wirtschaft und Wissenschaft

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Von: Erdwig Holste

Das Ende des Sicherheits-Denkens

Interview mit Nils Köster, Interims-Manager, Jahrgang 1976
Nils Köster gehört zu den jüngsten Interimsmanagern in Deutschland und ist derzeit in einem durch die Management Angels GmbH vermittelten Projekt tätig. Spezialisiert auf Aufgaben aus dem IT-Bereich, hat Köster u.a. anspruchsvolle Mandate für die WestLB, das Auswärtige Amt, die Pixelpark AG oder Sport1.de erfolgreich übernommen. Einschlägige Berufserfahrung sammelte der Interimsmanager auch im Gründungsumfeld von Start-Up-Unternehmen, etwa in der Realisation von Geschäftsideen mit zahlreichen Partnern aus Business und Technik. Köster ist deutschlandweit verfügbar, wohnt in Berlin und steht seit geraumer Zeit in Kontakt mit Management Angels.  
 
 
Management Agels: Herr Köster, wird im Interimsmanagement das fachliche Know-How wichtiger als die langjährige Berufserfahrung?
 
Nils Köster: Praxiserfahrung ist aus meiner Sicht das entscheidende Kriterium zur Beurteilung von Mitarbeitern. Der Wert beruflicher Erfahrung definiert sich in IT-affinen Branchen jedoch nicht nur über die Dauer der Zugehörigkeit eines Mitarbeiters zu einem Unternehmen, sondern sollte anhand qualitativer Kriterien beurteilt werden. Berufliche Herausforderungen stellen sich heute „on the job“, die Aufgaben sind oftmals kaum miteinander zu vergleichen. Nur wer die Sensibilität für die Einzelsituation behält, kann im Interims-Geschäft stetig neue Aufgaben erfolgreich bewältigen. Ich bin seit fast 10 Jahren in der Internet- und IT-Branche tätig und arbeite täglich an der Verbesserung meines fachlichen Hintergrundes. Erfahrung allein – im Sinne von angehäuftem und konserviertem Wissen – kann Sie da nicht über Wasser halten.
 
Management Agels: Wieviel Erfahrung – im klassischen Sinn – wird in der IT-Branche überhaupt noch gewünscht, ohne als „von gestern“ und „veraltet“ zu gelten?
 
Nils Köster: Gerade in jungen Start-Up-Unternehmen geht es darum, in der Umsetzung von Geschäftsideen schnell zu Erfolgen zu kommen und im Markt Fuß zu fassen. Dazu braucht man einerseits Spezialisten mit einem zukunftsorientierten Gespür für neue Produkte, andererseits verlässliche Mitarbeiter, die den Laden am Laufen halten, ohne täglich das Rad neu zu erfinden. So entsteht eine kritische Masse, die gute Ideen hervorbringt.
Für die Beurteilung von Mitarbeitern halte ich eine gewisse Konstanz im Lebenslauf immer noch für wichtig. Projekte mit unterschiedlicher Dauer, dazwischen eine Festanstellung über 3 Jahre, danach wieder kürzere Engagements – aus meiner Sicht erhöht ein gesunder Mittelweg die Attraktivität von Bewerbern.
 
Management Agels: Gilt das auch für andere Tätigkeitsfelder abseits der innovationsgetriebenen IT-Themen?
 
Nils Köster: Nennen Sie mir eine Branche, die heute keinem grundlegenden Innovations- und Wettbewerbsdruck unterliegt. Mir fällt keine ein. Persönliche Weiterentwicklung und Neuorientierung sowie fachliche Qualifizierung und Fortbildung für Arbeitnehmer und noch mehr Flexibilität in der Gestaltung der Personalpolitik für die Unternehmen sind Phänomene, die branchenübergreifend zu beobachten sind. 
 
Management Agels: Welche Qualifikationsprofile werden im Interimsmanagement in Zukunft besonders gefragt sein?
 
Nils Köster: Erstaunlicherweise ergeben sich zwischen den gestandenen Interimsmanagern mit einem Alter ab 55 Jahren aufwärts und jungen Interimsmanagern unter 35 Jahren, die vor allem in stark technologisch geprägten Tätigkeitsbereichen agieren, Parallelen. Das Bild des Selfmade-Managers ohne die klassische, universitär-akademische Bildungslaufbahn kommt zurück. Was zählt ist nicht der formalisierte Uni-Abschluss, sondern das bisherige „Doing.“ Einen 20 Jährigen, der sich mit nichts anderem als Computern beschäftigt hat, brauchen Sie nicht mehr auf die Uni zu schicken, damit er fachlich fit wird. Ich beobachte diese Entwicklung bei vielen Kollegen. Dahinter steht die Bereitschaft, möglichst früh erste Jobs zu übernehmen.
 
Management Agels: Beobachten Sie in den letzten Jahren wieder so etwas wie eine Gründer- und Aufbruchsstimmung in Deutschland wie zu Zeiten der New Economy?
 
Nils Köster: Das kann man sicher nicht vergleichen, aber ja, im Markt macht sich wieder eine positive Bewegung bemerkbar. Das Internet bringt zunehmend „proven business cases“ hervor, also Beispiele dafür, dass man mit Internet-basierten Firmen gutes Geld verdienen kann. Ich beobachte einen wachsenden Bodensatz geschäftlich gut aufgestellter Internet-Unternehmen, eine spannende Entwicklung.
 
Management Agels: Mit welchen Vorbehalten sehen sich junge Interimsmanager auf dem freien Markt konfrontiert?
 
Nils Köster: Unabhängig vom Alter handelt es sich bei geäußerten Vorbehalten eher um generelle Bedenken, die mit einem erteilten Interims-Mandat zusammenhängen. Konkret heißt dies: Wie viel Unruhe bringt der Externe rein? Passt er zum Team? Rechnet sich das Mandat?
 
Management Agels: Könnten Sie sich vorstellen, erneut eine mehrjährige, feste Tätigkeit als Angestellter in einem Unternehmen anzunehmen?
 
Nils Köster: Kommt auf die Aufgabe an. Prinzipiell spricht nichts dagegen. Mir ist es dabei wichtig, immer im Kopf zu behalten, dass es das Sicherheits-Denken vergangener Jahrzehnte heute so nicht mehr gibt. Egal ob festangestellt oder interimistisch, es geht darum, sich stets neuen Aufgaben zu stellen, Lösungen zu entwickeln und umzusetzen. Mit der Übernahme von Führungspositionen stellt man sich automatisch zur Disposition, keine Frage.
 
Management Agels: Wie beurteilen Sie die Tätigkeit der Provider auf dem Markt des Interims-Managements? Geht’s auch ohne oder sind gutfunktionierende Netzwerke schon heute unersetzlich geworden?
 
Nils Köster: Ohne Netzwerkarbeit keine Interims-Mandate. Die Arbeit mit den Management Angels hat mir beispielsweise den Zugang zu bisher unerschlossenen Angeboten und Kontakten eröffnet. Als Selbständiger will ich vor allem interessante Mandate übernehmen und bin dankbar, wenn eine professionelle Agentur die Anbahnung von Kontakten, die Verhandlungen im Vorfeld und den Abschluss der Vertrags-Formalitäten übernimmt.
Ich halte es für wichtig, nicht nur in seinem eigenen Saft zu schmoren, sondern sein eigenes Aufgaben-Spektrum auszudehnen und neue Auftraggeber und Netzwerke kennen zu lernen. In diesem Kontext übernehmen Provider sicherlich eine zentrale Rolle.
 
Management Agels: Herr Köster, eine abschließende Frage mit dem Blick nach vorn. Wenn Sie an Trends und Entwicklungen im Arbeitsmarkt denken, welche Aspekte werden in den nächsten 10 Jahren weiter an Relevanz gewinnen?
 
Nils Köster: Für mich zeichnen sich drei interessante Entwicklungen ab:
(1.) Für junge Unternehmen wird die Teilhaberschaft zu einem wichtigen Thema. Denn, die Gewinnung von Top-Leuten wird in Zeiten des Fachkräftemangels immer schwieriger. Die Veräußerung von Unternehmensanteilen bzw. die Beteiligung an Gewinnperspektiven ist für viele Hochqualifizierte ein Anreiz. Gleichzeitig kann das Unternehmen „Commitments“ seiner Spezialisten einholen. Unternehmen, die hochgefragtes Personal akquirieren wollen, werden sich öffnen müssen.
(2.) Der Arbeitsmarkt wird sich weiter Polarisieren. Die mittleren und hohen Einkommen werden steigen, im unteren Lohnsegment wird weiter automatisiert. Dies hat zur Konsequenz, dass die besonders gut Ausgebildeten mit speziellen Kenntnissen noch stärker nachgefragt werden als es heute bereits der Fall ist.
(3.) In punkto Kommunikation werden moderne IT-Systeme effizientere Entscheidungsstrukturen innerhalb von Unternehmen ermöglichen. Ein modernes Ideen-Management, in dem auch der stille Sachbearbeiter seine Verbesserungsvorschläge anbringt und damit an richtungsweisenden Entscheidungen partizipiert, wird Unternehmen in Zukunft voranbringen.
 
Management Agels: Vielen Dank für das Gespräch.
 
 

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