Locum Doctors - Ärzte auf Zeit
Immer mehr Mediziner arbeiten freiberuflich in deutschen Kliniken. Sie verdienen deutlich mehr als fest angestellte Kollegen und helfen den Häusern bei kurzfristigen Personalengpässen.
Locum Doctors werden Ärzte genannt, die ähnlich wie ihre Interimsmanagement-Kollegen kommen, wenn Kliniken kurzfristig Personalspitzen abdecken müssen oder spezielle Herausforderungen zu meistern haben.
Sie helfen, wenn angestellte Mediziner ihre erlaubte Stundenzahl überschritten haben, wenn plötzlich jemand krank wird oder gekündigt hat und kurzfristig kein fester Ersatz gefunden werden kann. In England, Frankreich und Schweden sind Locums längst üblich. Mittlerweile greifen rund 300 deutsche Kliniken und Arztpraxen auf die Interim-Ärzte zurück, Tendenz steigend. Für die Kliniken ist es oft günstiger, temporäre Belastungsspitzen durch sie abzudecken. Oft werden neu ausgeschriebene Stellen für fest angestellte Positionen über Monate, manchmal Jahre nicht besetzt. Allein in den öffentlichen Krankenhäusern sind nach Schätzungen rund 1500 Stellen offen.
So kommt es, dass Ärzte im Ruhestand, die weiterarbeiten möchten, Mediziner, die trotz fester Stellen noch Zeit haben, oder solche, die gern frei von internen Seilschaften und politischen Fallstricken in Kliniken arbeiten möchten, zu Locum Doctors werden.
Zwischen 500€ und 1200€ verdienen diese Honorarärzte pro Tag – je nach Aufgabe und Dauer. Das ist fast doppelt so viel wie ein fest angestellter Arzt. Allerdings arbeiten die Mediziner auf Zeit als Selbstständige und zahlen natürlich alle Abgaben und Versicherungen selbst.
Der Vermittlungsprozess funktioniert ähnlich wie bei Interim Managern. Eine Klinik wendet sich an eine Agentur, die wiederum in einer Datenbank nach geeigneten Kandidaten sucht. Verträge, Abrechnungen und die Administration laufen über die Agentur. Manchmal liegen wie bei den Management Angels nur 48 Stunden zwischen Anfrage und Start eines Interim-Arztes. Um die Qualität sicher zu stellen, lassen sich professionelle Vermittler Lebensläufe, Approbation, Facharztzeugnisse und den Eintrag aus der Ärztekammer zur Verfügung stellen. Locums müssen ihr Handwerkszeug perfekt beherrschen, denn Zeit, sich einzuarbeiten, bleibt nicht. Es wird erwartet, dass sie sich den Standards der Klinik anpassen, auch wenn sie nicht an Weisungen gebunden sind.
In technischen Abteilungen wie Anästhesie und Radiologie sind Zeitärzte häufiger anzutreffen als in Bereichen, in denen Ärzte länger und intensiver mit dem einzelnen Patienten zusammenarbeiten. Dazu gehört z.B. Krebsheilkunde und Psychosomatik.
Die Zunft der Honorarärzte sieht sich einer ähnlich positiven Zukunft gegenüber wie das Interimsmanagement. Ähnlich wie hier geht es darum, schnell und zeitlich befristet hochqualifizierte Arbeit zu erledigen. Locum Doctors kommen wie Ihre Management-Kollegen, um zu gehen und genießen Freiheiten, von denen einige ihrer fest angestellten Kollegen träumen. Der Preis dafür ist die Auftragsunsicherheit und die durchaus höhere Belastung im Projekt selbst.
Es zeigt sich, dass in immer mehr akademischen Berufen mit hoher Verantwortung und komplexen Aufgaben der Trend hin zu projektbezogenem, zeitlich befristetem Arbeiten geht. Längst kommt Arbeit auf Zeit nicht mehr nur bei der Zeitarbeit vor.


