Schöne neue flexible Arbeitswelt: Sabbaticals, Teilzeit und Interimsmanagement
Die Arbeitswelt wird flexibler. Jubiläumsreden, in denen verdienten Managern für ihre 30jährige Unternehmenszugehörigkeit gedankt wird, gehören demnächst der Vergangenheit an. Die Wirtschaft denkt zunehmend in Projektabschnitten und weniger in Lebenszyklen. Die Phasen zwischen Wachstum, Reife und Turnaround eines Produktes und somit auch eines Unternehmens werden immer kürzer. Deswegen passen sich weitsichtige Manager an und denken über Teilzeitmodelle nach - oder nehmen zwischendurch eine längere Auszeit, um dann frisch mit neuen Ideen an ihren Schreibtisch zurückzukehren. Manche Top-Führungskräfte kündigen aber auch ihren Job und werden Interimsmanager, um mehr Abwechslung in ihren Beruf zu bringen und größere Freiräume für Hobbies und Familie zu haben. Im Vordergrund steht dabei aber, das langjährig erarbeitete Know-how flexibel und zeitlich begrenzt weiteren Unternehmen zur Verfügung zu stellen.
Sabbatical nennt sich der Langzeiturlaub mit Wiederbeschäftigungsgarantie. Die Bezeichnung kommt aus dem Alten Testament: In einem Sabbat-Jahr wurde ein Feld nach sechs Jahren für ein Jahr brach liegen gelassen, damit sich der Boden erholt und hinterher bessere Erträge liefert. Im Berufsleben wurde das Sabbatical ursprünglich an amerikanischen Universitäten erfunden, damit sich deren Professoren statt der Lehre auch um ihre Forschung kümmern konnten. Mittlerweile bieten auch einige Unternehmen die zwischenzeitliche Auszeit an, um ihre Mitarbeiter damit an das Unternehmen zu binden und so Rekrutierungskosten einzusparen.
Für die Finanzierung eines Sabbaticals gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder werden im Voraus über einen längeren Zeitraum Überstunden angesammelt, die dann an einem Stück abgebaut werden. Oder der Mitarbeiter akzeptiert ein geringeres Gehalt während seiner Auszeit. In jedem Fall bleiben die Mitarbeiter auch dann auf der Lohnliste ihrer Firma und die Sozialersicherung läuft weiter. Ein anderes Modell arbeitet mit der so genannten Funktionszeit. Zwischen sechs Uhr morgens und 19 Uhr abends kann jeder Mitarbeiter selbst entscheiden, wann er sein tägliches Arbeitspensum von acht Stunden ableistet. Mit den wachsenden Anforderungen an die Mitarbeiter steigt auch deren Bedürfnis nach Ausgleich und Erholung.
Wie lange und wie viel Zeit Mitarbeiter jeweils ansparen und wann und wie sie diese ausgeben, bleibt ihnen überlassen: vom einzelnen freien Tag bis zur Verkürzung der Lebensarbeitszeit. Wichtig bei Entnahmen vom Zeitkonto ist natürlich die rechtzeitige Absprache mit Vorgesetzten und Kollegen. Die meisten Aussteiger treiben auch während der befristeten Auszeit die Karriere voran und liegen nicht einfach nur in der Hängematte einer Südseepalme – Weiterbildung ist der Hauptausstiegsgrund, gefolgt von der Familie.
Viele wollen dem Nachwuchs mehr Zeit widmen oder dem Ehepartner beruflich den Rücken frei halten. Die schwierige Wirtschaftslage unterstützt den Trend zum Ausstieg auf Zeit. Vor allem die kriselnde Hightech-Branche, aber auch viele Unternehmensberatungen nutzen diese Programme, um damit Auftragsengpässe abzufangen und ihre Topleute nicht zu verlieren und diese später teuer wieder einkaufen zu müssen. Immer mehr Führungskräfte entscheiden sich zu dem noch größeren Schritt raus aus dem Angestelltenverhältnis hinein in die Selbstständigkeit: z.B als Interimsmanager.
Geschätzte Vorteile dieses Modells der Flexibilisierung der Arbeitszeit ist die größere Abwechslung im Beruf kombiniert mit der Möglichkeit, sich seine Frei-Zeiten selbst einteilen zu können. Die Alternative zu einer 80-Stunden-Woche für Jahrzehnte in ein und demselben Job als Vorstand einer börsennotierten AG zu einer Tätigkeit, die zwar nicht minder zeitintensiv ist, aber doch nur auf einen begrenzten Zeitraum angelegt ist, erscheint so manchem Manager immer interessanter zu werden. Nicht wenige Interimsmanager nutzen die Zeit zwischen mehreren Projekten zum Verfassen eines Buches, einer ausgedehnten Reise durch ferne Länder oder auch für die Erfüllung eines zeitintensiven Lebenstraumes.
Stetig steigt die Zahl der Interimsmanager, die sich freiwillig für diese Art zu arbeiten entscheiden und nicht gezwungenermaßen durch Kündigung die einzige Alternative in der Selbstständigkeit sehen. Durch die Steueroptimierungsmöglichkeiten eines Freiberuflers und je nach erzielbarem Tagessatz und Auslastung muss dies noch nicht einmal aufs Jahr gesehen, finanzielle Nachteile bedeuten. Die durchschnittliche Auslastung eines Interimsmanager liegt derzeit bei 100 fakturierten Tagen im Jahr und einem Tagessatz zwischen 650,- bis 1.500,-€. Schätzungen zufolge sind derzeit deutschlandweit ca. 10.000 Interimsmanager im Einsatz. Die meisten davon hatten sicherlich nicht den Berufswunsch „Interimsmanager“ in ihren Fragebögen beim Berufsstart eingetragen, aber haben flexibel auf die sich wandelnden Verhältnissen reagiert. Eins ist aber allen gemein: sie haben in dieser Tätigkeit eine Marktnische entdeckt, die bei allen Risiken der Selbstständigkeit mit wesentlich größerer persönlicher Unabhängigkeit verbunden ist.
Mittlerweile gelten flexible oder gar reduzierte Arbeitszeiten immer mehr auch als Statussymbol. Nach dem Motto: Ich verdiene so viel Geld, dass ich es mir leisten kann, weniger zu arbeiten.


