Self-Marketing – mit Echtheit zum Erfolg
Mut zu Profil
„Ungeduld!“ Wie aus der Pistole geschossen beantwortet der Kandidat die Frage nach seinen persönlichen Schwächen – weil irgendjemand irgendwann einmal verbreitet hat, dass dies die Antwort sei, die Personalchefs und Head-Hunter gerne hören. Eine Antwort, die keine negative Interpretation zulässt.
Der Kandidat oder Bewerber will gefallen, um jeden Preis – er will den Job. Wohin uns diese Mentalität der Anpassung gebracht hat, sehen wir draußen in der Wirtschaft, jeden Tag. Wenn es aber wahr ist, dass Menschen nur am richtigen Ort, im richtigen Umfeld und in der richtigen Aufgabe exzellente Leistungen bringen können, lohnt es sich, der Profilarmut schon im Erstgespräch den Rücken zu kehren – nicht zuletzt, um in einer bewegten und bewegenden internationalen Welt eine Mitte zu finden – sich selbst.
Erst wenn Körperhaltung, Sprache, Händedruck, Styling, Duft und Verhalten stimmig und in Einklang sind, erhält die Botschaft Reichweite. Authentische Selbstdarstellung setzt eine differenzierte Betrachtung des eigenen Stärken-/Schwächenprofils voraus. Nicht selten sind Stärken und Schwächen Sonnen- und Schattenseite persönlicher Eigenschaften, die – je nach Betrachtung – positiv oder negativ behaftet sind.
Nur – wo liegt der Maßstab? So kann die vielzitierte Ungeduld genauso gut ein ganzes Team überfordern und lähmen wie sie Entscheidungen fördern und Prozesse vorantreiben kann. Für eine möglichst objektive Betrachtung ohne Nabelschau können unkonventionellere Fragen aus einer anderen Perspektive, die Sie sich selber stellen sollten, manchmal mehr erreichen:
- Was halten meine Freunde für meine Stärken?
- Welche Punkte werden in Zeugnissen aus früheren Arbeitsverhältnissen immer wieder hervorgehoben?
- Was mache ich gut – was gerne?
- Welches sind meine größten beruflichen Erfolge (main accomplishments)?
- Wie fühlt sich (aus der Sicht der Betroffenen) die Zusammenarbeit mit mir als Chef, Kollege oder Mitarbeiter an?
- Wenn ich (imaginär) einen Preis gewinne – wofür?
USP – Verkaufsmoment mit Charakter
Die Unique Selling Proposition ist die Schnittstelle zwischen Sender und Adressat – der eine entscheidende Satz, der sich auf der Achse von Zeit und Ort immer wieder ändern kann. Das einzigartige Verkaufsargument ist eine Momentaufnahme der persönlichen Entwicklung eines Menschen und seiner daraus resultierenden Bedürfnisse, das auf unterschiedliche Gesprächspartner, wechselnde Anforderungsprofile und interne Branchenrituale trifft.
Der eine entscheidende Satz fasst zusammen: „Eine Firma/eine Person ist die einzige eines Marktsegmentes, welche einer Zielgruppe ein Produkt/eine Leistung in dieser Qualität liefern kann. Nur diese Firma/Person kann dies anbieten, weil...“ Oder – um das Konzentrat des Marketing im Original zu zitieren, wie es beim Tabakkonzern Philip Morris definiert wurde: „Who is the only brand of (product segment) that delivers to the target group?
What can only this company/person offer that no one else can, and why?”
Das ist die Sicht des Marketings. Übertragen auf die Eigenwerbung definiert die USP, was eine Person als einziger Anbieter/Bewerber zum Zeitpunkt für ein Unternehmen oder einen Ansprechpartner tun kann und warum – sie kann und sollte also für jede Ansprache anders aussehen!
Entscheidend für den Erfolg eines Gespräches ist auch die Analyse des Kundenbedürfnisses – denn letztlich ist fast jeder Gesprächspartner Kunde. Bewerbung ist Verkauf, ist Marketing in eigener Sache und soll treffen: „The Buyer’s need!“ Dieser Ansatz erübrigt viele belanglose Argumente und reduziert den Auftritt auf das momentan Wesentliche.
Oder – um ein Beispiel aus dem Warenverkauf zu nennen: Was bringt es, einer Modekundin, die sich ein aufregendes, sexy Ensemble wünscht, die Knitterfreiheit und Maschinentauglichkeit der Ware zu erläutern?
Self Marketing – Umsetzung mit Know-how
Ob der erste Eindruck zehn Sekunden dauert oder zwölf – er ist selten revidierbar. „You never get a second chance to make a first impression“. Diese Maxime gilt nicht nur für den persönlichen Auftritt, sondern insbesondere auch in der Ansprache von Unternehmen und Auftraggebern. Oft wird das vergessen.
Der telefonische Erstkontakt, die Ansprache per E-Mail, Brief oder Bewerbung soll spontan überzeugen und das Interesse des Adressaten wecken. Standardisierte und vorformulierte Schreiben haben in einem ernstgemeinten Kontakt genauso wenig Platz wie ein unsensibel gewählter Zeitpunkt. Man stößt auf wenig Gehör, wenn das angesprochene Unternehmen beispielsweise gerade mit Mitarbeiterstreiks kämpft, eine Branche in Messevorbereitungen steckt oder sich vielleicht eine Bilanzierungsabteilung im Jahresabschluss befindet.
Welche Form der Darstellung oder welches Medium gewählt wird, sagt letztlich eine Menge über den Absender aus. Der Wert der Kompetenz wird schon hier vermittelt.
Qualitätskontakte
Networking wird heute als Zauberformel für Erfolg gehandelt. Oft aber geht der Blick für Qualität zwischen Businesslunch und After-Work-Party verloren. In einer Zeit der verschwimmenden Grenzen zwischen Beruf und Privat wird die Anzahl der Kontakte schnell zum Maßstab, die Kommunikation zur Plattform für Floskeln.
Gezwungene Kontaktpflege ist spürbar und hat in einem bewerberstarken Markt mit schmalen Kanälen keinen Platz mehr. Das Bewusstsein für die Qualität der Kontakte nimmt wieder zu, weil sie die eigene Haltung und den eigenen Stil spiegeln.
Sympathie wird zum Signal, echtes Interesse zur Voraussetzung. Ohne ‚Dollarzeichen in den Augen’ lassen Kontakte Raum für einen ungezwungenen Gedankenaustausch, kreative Projekte und neue Ansätze. Daraus entstehen nicht immer schnelle Ergebnisse, langfristig aber tragfähige Bindungen mit Kontinuität. Die Konsequenz sind Netzwerke, die vor dem Nutzengedanken eines mit sich bringen –sie machen Spaß und bringen intelligente Dialoge.
Identifikation
Womit identifiziert sich ein Mensch? Was strahlt er aus, welchen Lebensstil hat er, wie fühlt er sich wohl – und was verlangt sein Beruf von ihm? Charisma ist die Kunst, Vision und Realität - auch optisch - unter einen Hut zu bringen.
Self-Marketing bedeutet ‚Corporate Identity’ in eigener Sache. Konsequenz im persönlichen Auftritt ist der unbequemere Weg – langfristig aber der lohnende. Der Mut, zu sich selber zu stehen, verlangt Auseinandersetzung mit den eigenen Gedanken und Empfindungen und der Wahrnehmung der Umwelt. Je besser diese Gratwanderung zwischen Identität und Berufsanforderungen gelingt, desto authentischer wird die Darstellung einer Person, desto persönlicher werden berufliche Verbindungen und ‚commitments’ und desto mehr Chancen auf Stabilität hat die eigene Arbeitswelt.
Ein Image mit Echtheit steigert die Ausstrahlung, verbessert die Kommunikation, gewinnt Sympathien und fördert dadurch Erfolg - es steigert die Qualität dessen, was auf eine Handlung oder eine Aussage buchstäblich ‚erfolgt’.
Den eigenen Weg zu gehen, macht echt. Und nicht umsonst kennzeichnen Leidenschaft im Beruf und Identifikation den Unterschied zwischen sehr guter und brillanter Leistung.
Der Artikel wurde verfasst von Gast-Autorin Katharina Starlay. Weitere Informationen zum Thema Corporate Couture finden Sie auf der Homepage Starlay*.


