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Interim Management Angels

Liebe Leser,

je vielschichtiger der Markt, je unterschiedlicher die Sichtweisen, desto wichtiger und produktiver der Erfahrungsaustausch. Diese Formel steht hinter dem Neunten gemeinsamen Newsletter von ZMM Zeitmanager München und Management Angels: den Interim Insights.

„Insights“ auch deswegen, weil in dieser Ausgabe aktuelle Trends aus Sicht zweier marktführender Provider für Interim Management erläutert werden – einmalig in der Branche. Im Sinne unserer Kunden und Interim Manager findet der rege fachliche Austausch zwischen ZMM und den Management Angels bereits seit Jahren statt. Gemeinsame bundesweite Veranstaltungen wie etwa die Workshops für Interim Manager (WIM) oder die Verbandsarbeit mit Providerkollegen im Arbeitskreis Interim Management Provider (AIMP) bilden hierfür seit Jahren eine gute Grundlage. Der offene Austausch zeigt, dass sich eine Wettbewerbssituation mit einem kontinuierlichen Innovationsverhältnis, in dem beide Teams voneinander lernen können, sehr produktiv vereinbaren lässt.

In dieser Ausgabe finden Sie Provider-Neuigkeiten „from behind the scenes“, Artikel der beiden Geschäftsführer Dr. Anselm Görres und Thorsten Becker zur Entwicklung der Branche, einen lesenswerten Artikel von Dr. Reinhard Schützdeller zum Thema Interim Management im Vertrieb sowie einen kurzen Veranstaltungsbericht zum Dritten Hamburger Forum Interim Management.

Kommen Sie bei Rückfragen gern auf uns zu, wir sind gespannt auf Ihr Feedback und wünschen eine kurzweilige Lektüre!

Ihre Management Angels & ZMM Zeitmanager München

Erdwig Holste
Neues von den Management Angels

Die letzten zwölf Monate der Management Angels waren ereignisreich. Mit der strategischen 51 Prozent-Beteiligung des Weltmarktführers Albemarle an den Management Angels im Juli 2008 konnten neue Möglichkeiten im internationalen Interim Markt erschlossen werden. Die seit Jahren bestehende Kooperation mit Albemarle und das Commitment zur weiteren Intensivierung der Zusammenarbeit ist für uns ein klares Signal, den Wachstumskurs der letzten Zeit fortzusetzen. Mit Albemarle haben wir nun den erfahrensten Provider in Europa an unserer Seite und können auch internationale Projektanfragen noch besser besetzen.

Die Eröffnung der festen Angels Niederlassung in Frankfurt am Main am 30. Oktober unter der Federführung des im Mai an Bord gegangenen Technologie-Experten Tilo Ferrari ist ein weiterer Meilenstein in der Unternehmensgeschichte. Es war höchste Zeit, aus dem temporären Büro einen festen Sitz zu machen. Tilo Ferrari hat als Standortleiter nun das Ruder übernommen und wirft einen regionalen Anker für die Region Rhein-Main.

Nicht zu vergessen: Seit August befindet sich das Head-Office der Management Angels nicht mehr an der Alster, sondern über dem Hamburger Hafen. Die Hamburger Zentrale ist in das neu errichtete Atlantic Haus nahe den Landungsbrücken gezogen. In diesem modernen und innovativen Umfeld finden unsere Manager- und Kundengespräche sowie Veranstaltungen und Workshops statt – ein toller Blick über den gesamten Hafen ist garantiert.

Das Wachstum der Management Angels spiegelt sich auch in der Mitarbeiterzahl wieder. Derzeit sind 15 Teammitglieder an Bord. Allein vier Kollegen sind im Management Resources Department tätig und haben ihren Fokus auf die professionelle Betreuung der Interim Manager im Pool gelegt. Acht Kollegen (Senior Consultants) betreuen Kundenprojekte aus diversen Branchen. Derzeit erreichen die Management Angels ca. 120 Initiativbewerbungen hochqualifizierter Manager im Monat, von denen allerdings nur ein Bruchteil in den MA-Pool aufgenommen wird.

Eine schöne Kennzahl zum Schluss: Der Monat September war mit 60 parallel laufenden Projekten (durchschnittliche Laufzeit 6-9 Monate) der umsatzstärkste in der Firmengeschichte. Im Jahr 2007 konnten insgesamt knapp 100 Projekte erfolgreich abgeschlossen werden. Realistisches Ziel für dieses Jahr ist es, diese Marke nach oben zu durchbrechen.

Kerstin Beyreis
Neues von ZMM

ZMM wächst. 2008 wird, und das kann man schon jetzt behaupten, das erfolgreichste Jahr der ZMM-Geschichte. Eine abgedroschene Phrase? In wirtschaftlich turbulenten Zeiten hört man das doch gern.

Umsatz: Den Umsatz des vergangenen Jahres hatten wir Ende September erreicht – bis Jahresende gehen wir von einer Steigerung von 35 Prozent aus. Und auch bei ZMM war der September der umsatzstärkste Monat. Krise? Nicht bei uns.

Neue Projekte: Ingesamt haben wir in 2008 bereits 80 neue Aufträge generiert – und das Jahr ist noch nicht zu Ende. Eine Auswahl:

  • Projektmanager für Kraftwerksbau in Finnland
  • Geschäftsführer zur Überbrückung einer Vakanz bei Fleischverarbeiter
  • Call-Center-Experte für ein mittelständisches Bausanierungsunternehmen
  • HR-Beraterin für Fachabteilung einer Frankfurter Privatbank
  • Leiter Zoll und Außenwirtschaft für Automobilzulieferer
  • Projektleiter Logistik-Outsourcing für Handelsunternehmen
  • Rohstoff-Scout Sondermetall-Produktionsabfälle für Chemiekonzern
  • Berater für Integration einer neuen Beteiligung eines Energieversorgers
  • Leiter Fulfillment für Online-Händler von Lebensmitteln
  • Leiter Rechnungswesen für Niederlassung eines Automobilzulieferers in Mexiko

Managerpool: Pro Monat erhalten wir durchschnittlich 45 Bewerbungen für eine Aufnahme in unseren Pool. Dank unserer Skills-Abteilung und Profilmanager können wir schon während der Bewerbungsphase eine ehrliche Einschätzung der Vermittlungschancen abgeben. Parallel empfehlen wir den Kandidaten auch andere Provider, die aufgrund einer Spezialisierung möglicherweise ein besserer Ansprechpartner sein können. Unsere Ziele: Keine Erwartungen wecken, die wir nicht erfüllen können. Zufriedene Manager. Und: Gute Referenzen von unseren Kunden.

ZMM-Team: Neue Namen und neue Gesichter – seit Anfang 2008 haben wir unser Team ständig erweitert. Mit Yvonne Neumaier, Marita Kanter und Sandra Wiegandt hat das Jobs-Team seine Schlagkraft erhöht. Joachim Ruck verstärkt seit Oktober unsere Expertenabteilung und hebt den Anteil der männlichen ZMM-Mitarbeiter. Katja Ferber unterstützt uns in allen Belangen der Organisation und Administration. Gideon Lochner hilft, unsere Datenbank OdysseusBüro weiter zu entwickeln und Dina Neumann kurbelt in Frankfurt den Vertrieb an.

Neue Niederlassung: ZMM wächst auch gen Westen: Im Januar 2009 eröffnen wir unsere neue Niederlassung in Düsseldorf. Eine besondere Freude: Linda Becker, geborene Hessel, gerade aus der Elternzeit zurück gekehrt, wird Leiterin Vertrieb Düsseldorf und ist erste Ansprechpartnerin für unsere dortigen Kunden.

Krise – aber ohne uns, das ist das Motto von ZMM. Und so werden wir auch 2008 zum erneut erfolgreichsten Jahr der ZMM-Geschichte machen.

AIMP
Neues vom AIMP - neuer Webauftritt

Interim Management gewinnt – gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten – an Bedeutung. Im aktuell kritischen Umfeld ist Spezialistentum und akkurates Projektmanagement gefragt, das oftmals nur durch hochqualifizierte Interim Manager geleistet werden kann.

Um dem zunehmenden Bedarf an Basisinformationen in Bezug auf die Services und Dienstleistungen von Providern gerecht zu werden, stellt der Arbeitskreis ab sofort ein reichhaltiges Online-Informationsangebot zur Verfügung. Mit aussagekräftigen Zahlen und Fakten rund um das Thema Interim Management ist eine wertvolle und moderne Informationsplattform entstanden.

Die neue Webseite www.aimp.de offeriert dezidierte Analysen und diskutiert offen und transparent Trends, liefert valide Marktzahlen und Brancheninformationen und bezieht klar Stellung zu aktuellen Themen im Interim Management.

Obwohl die Nachfrage an interimistischen Einsätzen kontinuierlich steigt, haben viele Unternehmen noch ein Informationsdefizit und scheuen daher den Einsatz von Interim Managern. Durch das verbreiterte Informationsangebot hofft der Arbeitskreis vor allem Berührungsängste zu nehmen. Den Vertretern von Medien und der Presse steht nun auch ein Pressebereich mit umfangreichen Download-Möglichkeiten zu Verfügung.

Eine intuitive und nutzerfreundlichere Navigation führt durch einen ständig aktualisierten Fundus an Informationen und ermöglicht eine einfache Suche nach aktuellen Meldungen, Positionen und Branchenauskünften. Zusätzlich bietet die Site RSS-Feed, Videofiles, und künftig Audiofiles.

Sehen Sie selbst:www.aimp.de

Dr. Anselm Görres
Das Privileg des Experten

Es gibt zahlreiche bekannte Argumente für den Einsatz externer Experten, und es gibt einige weniger bekannte.

Ob Berater, Interim Manager oder anderer externer Freelancer:
Keiner von ihnen wird es versäumen, beim Kunden mit seinen wichtigsten Vorteilen zu argumentieren:

  • Der Externe ist unbelastet von Konflikten, Fehlern und Blockaden der Vergangenheit
  • Er muss keine oder wenig Rücksicht auf unternehmenspolitische Faktoren nehmen
  • Es geht ihm nicht um die eigene Karriere im Unternehmen – als Professional spricht er mit jedem auf Augenhöhe.
  • Er ist fast immer kurzfristig verfügbar und bleibt nur so lang, wie man ihn braucht – das macht seine Kosten variabel und kalkulierbar.

Oft genug sind die Menschen im Unternehmen Teil des Problems. Der Externe ist dagegen Teil der Lösung. Doch all diese Argumente sind nicht nur gut, sie sind auch den Kunden gut, ja bestens bekannt. Was hält Kunden dann davon ab, mehr externe Professionals einzusetzen? Könnte es daran liegen, dass sie deren Leistung unter-, ihre Kosten aber überschätzen?

Effektivität: Ein externer Professional hat die Möglichkeit, 80 bis 90 Prozent seiner Zeit produktiv zu nutzen. Dabei beschäftigt er sich mit wenigen, ge¬nau definierten Problemen und hat für jedes einzelne Problem viel mehr Zeit, als sie ein angestellter Manager jemals für Einzelthemen aufbringen kann. Damit ist dem Externen eine vielfach intensivere und fokussiertere Tätigkeit möglich als die meisten Angestellten sie je erleben.

Kosten: Vergleichen wir zwei gleich qualifizierte Personen, von denen eine als Angestellter 100.000 Euro jährlich verdient, die andere als Freelancer etwa 1.000 Euro am Tag. Multipliziert man diesen Satz mit 220 Tagen, erscheint das Jahreshonorar als das 2,2-fache des Bruttogehalts des Angestellten – klingt exorbitant. Vergessen wird dabei gern, dass die tatsächlichen Gesamtkosten eines Angestellten mit 100.000 Euro Brutto natürlich mit mindestens 150.000 Euro anzusetzen sind (wegen Sozialabgaben, Dienstwagen, Spesen usw.). Damit erscheint der Gehaltsunterschied erheblich geringer. In der Realität werden Freelancer mit einer dem 100.000-Euro-Manager vergleichbaren Qualifikation meist keine 1.000, sondern vielleicht nur 800 Euro am Tag erzielen. Und die meisten kommen auf weit weniger als 220 verkaufte Tage im Jahr – eher auf 120 bis 150. Bei 150 Tagen à 800 Euro verdient ein Freelancer im Jahr also auch nur 120.000 Euro – und muss davon noch Urlaub, Krankheitskosten und Altersvorsorge abdecken.

Zeit: Ein nicht unerheblicher Teil dieses Kosten¬vorteils Externer lässt sich übrigens dadurch er¬klären, dass der Freelancer vieles von dem, was Angestellte am Arbeitsplatz erledigen, an Abenden und Wochenenden machen. Ob Reisekostenabrechnung und Dienstwagen, Urlaubsplanung und Netzwerkpflege oder gar Karriere – vieles davon machen die meisten Interim Experten zuhause, nicht wenige angestellte Manager aber in der Firma.

In diesem Rechenbeispiel sind die Zahlen gerundet und die Annahmen vereinfacht. Dennoch: Unter dem Strich beschreibt es die Realität recht genau. Das Privileg des Externen, sich zu 100 Prozent definierten Aufgaben widmen zu können, bedeutet unter dem Strich für den Kunden einen dreifachen Vorteil:

  • Konzentrierte und fokussierte Projektarbeit führt zu qualitativ besseren Ergebnissen als bei nebenher laufenden internen Projekten
  • Mit der höheren Intensität der Projektarbeit verbindet sich auch eine höhere Umsetzungsgeschwindigkeit
  • Und beides geschieht zu effektiven Stundenkosten, die den Vergleich mit den effektiven Stundenlöhnen Angestellter nicht zu scheuen brauchen.

In Wahrheit sind externe Experten eine der preiswertesten Ressourcen, die ein Unternehmen im Projektmanagement einsetzen kann. Wahrscheinlich sollten wir alle unsere Tagessätze erhöhen!

Trends im Interim Management

Die folgenden Thesen und Gedanken sind die Zusammenfassung meines Vortrages auf dem Hamburger AIMP-Forum vom 16. Oktober. Im Fokus stand dabei der Aspekt, dass projektorientierte Strukturen Unternehmen immer stärker durchdringen.

Durch Globalisierung, technologischen Fortschritt und ökologische Notwendigkeiten steigen die Anforderungen an die Organisationen stetig. Die klassische Linienorganisation ist immer weniger in der Lage, diesen Herausforderungen Herr zu werden. Es entsteht die „Parallelwelt“ der Projektorganisation. Hier ist in den nächsten Jahren mit großem Wachstum zu rechnen. Zu den Auswirkungen für Interim Manager und Interim Management Provider jetzt 10 Thesen mit kurzer Erläuterung:

  • Es wird eine Renaissance der Erfahrung geben: Kunden werden immer mehr darauf achten, dass Projektmanager auch wirklich etwas von Projektmanagement verstehen. Nachgewiesen durch relevante Projekterfahrung. Anspruchsvoller werdende Kunden werden es Einsteigern schwerer machen.
  • Projektmanagement kann nicht jeder, aber jeder kann es lernen: Die These schließt direkt an die erste These an, das Motto: „Das kann doch jeder!“ gilt nicht mehr. Ich erwarte eine Professionalisierung im Projektmanagement, was auch zu Zertifizierungen und weiteren Fortbildungsangeboten führen wird.
  • Die Einarbeitungszeit der Projektmanager muss (noch) kürzer werden: Interim Manager sind (sehr) kurze Einarbeitungszeiten gewöhnt. In der Parallelwelt der Projekte ist Zeit besonders knapp. Große Kunden fragen immer häufiger explizit und unprätentiös eigene ehemalige Mitarbeiter bei Interim Management Providern nach. Diese kennen die Projektkultur des Kunden und versprechen schnelle Leistung.
  • Projektmanager sind besser bezahlt als „klassische“ Interim Manager: Hierbei geht es um relative Zahlen. Meist (natürlich nicht immer) sind klassische Interim Manager (z.B. Sanierer) von ihrer Vitae qualifizierter als mancher Projektmanager. Der Interim Manager verdient aber für sein vorhandenes Wissen, seine Erfahrung und seine Kontakte am Ende kaum mehr. Finanziell lohnt es sich für Manager, sich auf Projektmanagement-Themen zu spezialisieren.
  • Die Finanzmarktkrise ist in der Realwirtschaft angekommen. Es wird Druck auf Auslastungsgrade und Tagessätze geben: Die „International Labour Organisation (ILO)“ geht vom Verlust von 20 Mio. Arbeitsplätzen weltweit als Folge der Finanzmarktkrise aus. Trotz aller positiven Aspekte für Interim- und Projektmanager ist davon auszugehen, dass dies nicht folgenlos bleibt. Kunden werden mehr verschieben, Aufgaben selbst erledigen, ganz „auf Eis“ legen, eine günstigere Alternative suchen, härter verhandeln und kürzer beauftragen.
  • Spezialisierung wird unabdingbar: Kunden benötigen in ihren Projekten immer mehr „Ressourcen“: Projektmanager und Spezialisten mit Projektmanagement-Skills, die sehr spezifische Lücken in ihrer Projektorganisation schließen. Es wird quasi als Commodity, also ganz unaufgeregt spezifisches Know-How und Do-How eingekauft.
  • Interim Management und Unternehmensbera-tung werden immer ähnlicher und konkurrieren immer direkter: Dies ist eigentlich keine These, sondern eine persönliche Erfahrung. Der „klassische“ Interim Manager wird bei kaufmännischen Themen oder verwandten Themen geholt und soll „machen“. Der Strategieberater soll konzeptionieren. Der Projektleiter oder -manager hat Elemente von Beidem. Und deshalb werden Interim Manager und Berater zukünftig bei der Vergabe von Projekt-Mandaten immer mehr im Wettbewerb zueinander stehen.

Drei weitere Thesen zu den Interim Management Providern:

  • Provider werden ihre Manager-Pools weiterentwickeln: Diese These ist die Konsequenz aus den Thesen 1-7. Provider müssen (!) immer mehr auf die relevante Projekterfahrung ihrer Interim Manager achten, sie werden mehr auf Weiterbildung und Zertifizierung achten und insbesondere auf relevantes Spezialistentum.
  • Provider müssen zu Lösungsanbietern werden: Das reine Zur-Verfügung-Stellen von Kandidaten reicht nicht mehr. Das geht, solange Vakanzen, dass heißt Lücken in der Linie ausgefüllt werden müssen. In anspruchsvollen Projekten muss der gute Provider proaktiver werden. Mitreden können. Und Lösungen anbieten. Kunden wollen verstärkt ganze Projektteams anheuern: Dies ist etwas, das in der Vergangenheit, wenn unsere Interim Management-Branche ehrlich ist, weniger nachgefragt wurde. Es wurden eben häufig Lücken gefüllt oder Kunden brauchten einen Sanierer. In Projekten steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ganze Teams benötigt werden. Dies ist gut, aber es ist auch eine Herausforderung und der Anspruch an die Vermittlungsleistung des Providers steigt!
Interim Manager
Interim Management und Vertrieb

Interim Managern begegnen wir inzwischen in allen Branchen, auf allen Ebenen, in allen Funktionen. Für Außenstehende ist nicht erkennbar, dass sie nicht mit einem Angestellten des Unternehmens sprechen, sondern mit einem Manager auf Zeit. Was in Controlling, Werkleitung oder Einkauf längst Praxis ist, tut sich im Vertrieb unerwartet schwer. Dort sind Interim Manager deutlich seltener als in anderen Funktionen anzutreffen.

 Die Vorbehalte gegenüber Einsätzen von Interim Managern in Vertriebsfunktionen konzentrieren sich im Wesentlichen auf einen entscheidenden Punkt: Der Vertrieb ist das Gesicht zum Kunden. Er repräsentiert das Unternehmen an der sensibelsten Stelle der Wertschöpfung. Welche Leistung der Vertrieb für sein Unternehmen täglich erbringt, wird den Entscheidungsträgern oft erst klar, wenn sie begründen sollen, warum sie den Vertrieb für das Interim Management bisher ausgeklammert haben: Produktkompetenz, Kenntnis der internen Abläufe, Erfassung der Kundenwünsche, Gespür für den Umgang mit Kunden – sich das alles anzueignen, das übersteige die Einsatzdauer des Interim Managers. Bis der das alles erst mal begriffen hätte, wäre das Mandat schon vorbei.

Dabei ist Vertrieb nicht nur Außendienst, sondern eine lange Kette von Vertriebsentscheidungen. Was für die Produktion das Fertigteil ist, ist für den Vertrieb der Vertragsabschluß. Die wirklich gravierenden Fehler und Fehlallokationen passieren nicht beim Außendienstmitarbeiter, sondern schon weit früher: In der Art und Weise, wie Vertrieb verstanden, eingesetzt, budgetiert, gesteuert und unterstützt wird. Wenn ein Vertrieb nicht „effektiv“ ist, dann in den seltensten Fällen, weil der Außendienst faul ist, sondern weil Vertrieb im eigenen Unternehmen falsch verstanden wird.

Interim Manager im Vertrieb setzen daher genau an diesem Punkt an. Erfahrene Interim-Vertriebsleiter beginnen mit einer systematischen Analyse des Ist-Zustands und stellen dieser die Soll-Anforderungen aus den Unternehmenszielen gegenüber. Als Ergebnis entwickeln sie in kurzer Zeit ein verlässliches Gespür dafür, ob mit den gegenwärtigen Vertriebsstrukturen die meist ehrgeizigen Unternehmensziele überhaupt zu erreichen und welche Mittel notwendig sind, um Anforderung und Ergebnis in die Waage zu bringen. Solche „sales-Audits“ sind eigentlich schon eine eigenständige Dienstleistung.

Der Vorteil eines Interim Managers besteht darin, dass er frei von Vorurteilen alle internen und externen Vernetzungen des Vertriebs auf den Prüfstand stellen darf. Für ihn gibt es keine heiligen Kühe und/oder drängende Konsequenzen. Aufgrund ihrer Erfahrung legen Interim Manager in kurzer Zeit erste Vertriebspläne mit konkreten Ergebnissen, pragmatischen Maßnahmen und verlässlichen Kostenaufstellungen zur Abstimmung vor. In der Umsetzung sind sie als neutrale Dritte unbelastet und entwickeln aus dieser Position eine höhere Geschwindigkeit, als sie interne Mitarbeiter erreichen könnten. Im Gegensatz zum externen Berater müssen sie allerdings für die Umsetzung ihrer eigenen Vorschläge gerade stehen.

Ihre wesentliche Aufgabe ist es, die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Vertriebsarbeit zu schaffen und nicht, selbst ihr bester Außendienstmitarbeiter zu sein. Ihr Vorteil besteht darin, dass sie den richtigen Stallgeruch mitbringen und dadurch die Akzeptanz der Mitarbeiter bekommen. Diese erkennen schnell, dass sich mit dem „neuen Mann“ eine ungewöhnliche Chance auf Veränderung öffnet – und nutzen sie. Der Erfolg des Interim Managers ist am Ende eine moderierte Teamleistung.

Für den Auftraggeber ist es immer wieder überraschend zu sehen, wie schnell sich Interim Manager integrieren und auf vermeintlich „schwierigem Terrain“ behaupten. Entscheidend für das Gelingen eines Mandats sind ein gutes Briefing und die Absprache klarer Spielregeln im Umgang mit Kunden und Mitarbeitern. Beim Kunden kommt der Einsatz eines Interim Managers in aller Regel sogar gut an. Bei den Mitarbeitern sollte von Beginn an mit offenen Karten gespielt werden: Aufgabe, Dauer und Befugnisse sollten in einem offiziellen Kickoff-Meeting offengelegt werden.

Interim Management Forum
Rückblick: Drittes Hamburger Forum Interim Management (FIM) und Workshops (WIM)

Der alt-ehrwürdige Hamburger Anglo-German-Club an der Alster war beim Dritten Hamburger Forum Interim Management (FIM) des AIMP am 16. Oktober 2008 voll ausgebucht und bewährte sich einmal mehr als Netzwerkplattform für Interim Manager, Unternehmensvertreter und Provider. Es bestand die Möglichkeit, sich untereinander auszutauschen, Kontakte zu pflegen und zu erweitern und einige große Inte-rim Provider kennen zu lernen oder wieder zu treffen.

 

Höhepunkt des FIMs waren die Vorträge zur aktuellen Marktsituation:

  • Thorsten Becker (Management Angels) trug Thesen zum Thema „wachsende Relevanz des Projektmanagements“ vor, die einen guten Diskussionseinstieg boten (siehe F).
  • Dr. Matthias Rudowicz, ein erfolgreicher Projektleiter im TIMES-Umfeld, forderte Unternehmen und Provider auf, ihr Projektmanagement zu optimieren. Provider sollten ihre Consultant-Rolle besser ausfüllen, außerdem sollten sie proaktiv Bedarfssituationen erkennen und schneller handeln. Insgesamt sollten die Provider die Schnittstelle zwischen Body Leasing und Management Consultancy bilden. ol
  • Von Unternehmen verlangte Rudowicz, dass sie ihre Projektstrukturen professionalisieren, um externe Kräfte schneller und besser einbinden zu können, und dass sie besser mit den Interim Providern zusammenarbeiten.
  • Alan Horn (Albemarle Interim PLC aus London), der zum ersten Mal einen Vortrag auf einem FIM hielt, wählte eine globale Perspektive. Er konstatierte einen fundamentalen Wandel in der Wirtschaft und einen damit zusammenhängenden Mangel an qualifizierten Fachkräften. Dieser Mangel könne durch bessere und auf die Wirtschaft fokussierte Bildung deutlich verringert werden. Außerdem sei eine Flexibilisierung der Arbeitsmärkte nötig: An den Beispielen Großbritannien, Niederlande und Deutschland belegte er, dass kurzfristigere Arbeitsverträge zu niedrigerer Arbeitslosigkeit führen.
  • Abschließend stellte Dr. Anselm Görres (ZMM) in seinem Vortrag die These auf, dass ein Interim Manager für eine Firma oftmals günstiger sei, als ein fest angestellter Mitarbeiter, selbst wenn letzterer rechnerisch ein deutlich niedrigeres Jahresgehalt hat.

 

Nach den vier Vorträgen kam es zu einer rege geführten Diskussion mit den Referenten, bevor der Abend dann bei Wein, Bier und kleinen Häppchen in der Atmosphäre des Anglo-German-Clubs mit vielen Gesprächen und neuen Kontakten langsam ausklingen konnte.

WIM - Workshops für Interim Manager

Rund um das AIMP Regionalforum fanden im sechsten Jahr auch die gut besuchten Workshops von ZMM und den Management Angels statt. Mit diesen Workshops bieten wir eine professionelle Weiterbildung für Neueinsteiger und erfahrene Interim Manager mit den Modulen Einstieg, Interim-Projekte, Marketing und Vertrieb sowie Vertragsgestaltung und Haftung an (Termine siehe I). Die Kombination aus fachlich orientierten Workshops und einem Netzwerk-Forum fand bei den Teilnehmern positiven Anklang.

Veranstaltungskalender

Frühzeitig vor dem Jahreswechsel weisen wir gern auf die relevanten Branchenveranstaltungen für 2009 hin. Bei Rückfragen und Anmeldungen kommen Sie bitte direkt auf Ihre Ansprechpartner bei ZMM und Management Angels zu. Einladungen zu den Veranstaltungen erhalten Sie jeweils rechtzeitig.

Geplante Veranstaltungen 2009

  • 2. und 3. April 2009: Workshops Interim Management (WIM) München
  • 2. April 2009: FIM - Forum Interim Management des AIMP in München
  • 4. Juli 2009: AIMP-Jahresforum Wiesbaden (FIM)

Redaktion 

Herausgeber der News&Views: Management Angels GmbH
Redaktionsleitung: Christiane Fuhrmann, V.i.S.d.P.: Thorsten Becker
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